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Standortentscheid Tiefenlager: Nördlich Lägern

Standortentscheid Tiefenlager: Nördlich Lägern

Manche in unserer Region mögen aufgeatmet haben: Das geologische Tiefenlager kann gemäss den Schlüssen, welche die Nagra aus ihren umfangreichen Untersuchungen zieht, in Nördlich Lägern am besten realisiert werden. Den Ausschlag gibt die Geologie. In den nächsten zwei Jahren erarbeitet die Nagra ein Rahmenbewilligungsgesuch, das unter anderem einen Sicherheitsbericht und einen Sicherungsbericht enthalten muss.

Der HEV hat immer die Position vertreten, dass Sicherheit im Suchprozess für einen Standort für die Erfüllung dieser nationalen Aufgabe die oberste Maxime sein muss. Die aktuell zugänglichen Daten ziehen interessante Vergleiche zwischen dem Weinland, der Region Bözberg im Aargau und dem Zürcher Unterland. All die geologischen Unterschiede dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: es ist in unser aller Interesse, dass diese Entsorgungsaufgabe bestmöglich erledigt wird.

Kein unmittelbarer Handlungsbedarf

Für die Hauseigentümer in den Gemeinden im engeren Umkreis gibt es keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Bis definitiv feststeht, dass Bundesrat, Parlament und in einer allfälligen Referendumsabstimmung die Stimmberechtigten die Rahmenbewilligung genehmigt haben, dauert es noch fast 10 Jahre. Die Nagra wird ein erstes Baugesuch für ein Testlager im Untergrund mit entsprechenden Lüftungsschächten in den frühen 2030er Jahren erarbeiten und einreichen. Weitere Baugesuche müssen dann für den Bau eines Lagers für schwach- und mittelaktive Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung in den 2040ern eingereicht werden. Die Lagerbehälter mit den hochaktiven Abfällen aus der Verpackungsanlage im Zwischenlager in Würenlingen treffen gemäss aktuellem Zeitplan ab 2060 in der Oberflächenanlagen ein. Während ungefähr 20 Jahren werden sie in den Untergrund eingebracht. Danach wird die Oberflächenanlage zurückgebaut. Der Zugang zum Tiefenlager bleibt während weiteren Jahrzehnten offen. Wann er definitiv verschlossen wird, entscheiden im 22. Jahrhundert nächste Generationen.

Verfahren: Bewährungsprobe bestanden

Mancher informierter Zeitgenosse erinnert sich, dass 2015 gegen Ende der zweiten Etappe die Nagra beantragt hat, Nördlich Lägern zurückzustellen. Die Nagra gab damals als Begründung an, es sei bautechnisch sehr anspruchsvoll in einer Tiefe von 900 Metern ein Tiefenlager zu bauen, auf 700 Metern sie zudem das Platzangebot in Nördlich Lägern beschränkt. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat befand, die Datenlage sei zu dünn, um das Gebiet im Zürcher Unterland auszuschliessen.

Aufgrund der dreidimensionalen seismischen Messungen und den Tiefbohrungen kommt man heute zu anderen Resultaten. In Zürich Nordost würde die auf lange Sicht zu erwartende Erosion deutlich näher an den Lagerbereich vorstossen als in Nördlich Lägern. Auch in Bezug auf die wasserführenden Schichten oberhalb und unterhalb des Lagerperimeters zeigen sich unter dem Aspekt höchstmöglicher Sicherheit im Weinland grössere Herausforderungen. Die bautechnischen Aufgaben in Nördlich Lägern bleiben ein Nachteil, der aber durch die Vorteile der Geologie mehr als wettgemacht wird. Wie immer man zu dieser medial «Kehrtwende» genannten Situation steht: der Sachplanprozess erweist sich als robust.

Wie entwickeln sich die Immobilienpreise?

In weiten Kreisen ist die Angst vor radioaktiven Abfällen nach wie vor verbreitet. Die Immobilienbesitzer sind gut beraten, nicht auf die ins Kraut schiessenden Prognosen zu setzen und kurzfristig Entscheide zu treffen. Das verfahrensleitende Bundesamt für Energie hat ein Monitoringprogramm aufgesetzt, um die Entwicklung der Immobilienpreise zu beobachten. Sollten sich die Befürchtungen bewahrheiten und Wertminderungen zu verzeichnen sein, die auf die Tiefenlagerung zurückzuführen sind, wären Entschädigungen geschuldet. Dafür gibt es im Gegensatz zu den Abgeltungen für die Gemeinden gesetzliche Grundlagen. Die bisherigen Erfahrungen rund um das Zwischenlager in Würenlingen zeigen keinen negativen Einfluss auf Land- oder Häuserpreise. Bekanntlich setzt sich die Preisbildung aus vielen verschiedenen Faktoren zusammen. Unter anderem spielt eine Rolle, was man so sagt. Oder mit den Worten des Bau- und Energiedirektors, man muss aufpassen, dass sich keine selbsterfüllenden Prophezeiungen einstellen.

 

Martin Farner-Brandenberger

Präsident HEV Region Winterthur

Kantonsrat FDP

 

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